Der Glasträgerweg
 


   seit ca drei Jahren habe ich mir vorgenommen den Glasträgerweg von Todtnau Aftersteg nach Laufenburg zu gehen.

   Es ist knappe 13 Jahre her, dass mir Hans-Dieter Folles im Glasträgerkostüm anlässlich einer Wanderung im Schwarzwald überraschend ein schmales Büchlein zum Glasträgerweg mit Widmung in die Hand drückte.

  Es dauerte dann noch einmal zehn Jahre bis ich dazu kam, mich auf das Büchlein einzulassen. Es brauchte nur wenige Seiten und es zog mich in seinen Bann. Die Geschichte der Glasträger berührte mich, als wäre es die meine und hätte tief mit mir zu tun.

   Die ärmsten der Armen, wie es bei Brecht heisst, mussten ursprünglich diesen Job machen. Nicht weil sie einen Hang danach spürten in die Fremde zu ziehen. Nein, weil sie nicht die waren, die den Hof übernehmen oder ein Handwerk erlernen durften. Kaum einer hatte die Heimat gern verlassen, wäre freiwillig durch den Wald marschiert mit einer gleichzeitig gewaltigen wie auch zerbrechlichen Last.

   Die Krätze (das Holzgestell) allein durfte schon über 10 Kg gewogen haben und dann kam noch das Glas dazu. Damit über den Feldberg zu stapfen, um irgendwann in der Schweiz oder noch weiter über die Alpen in Italien  anzukommen, wo Königs- und Fürstenhäuser sich für die kostbare Ware interessierten, war alles andere als verlockend für einen Schwarzwälder. Aber es bot ihm die Chance zu überleben und wenn er fleissig war, sogar eine Familie zu gründen…

Ich wollte mich versuchen in diese Männer hinein zu fühlen in diesen vier Tagen, die mir für den Weg, den früher die Schweizerträger gingen, zur Verfügung standen.

   Eine Krätze, selbst ohne Glas, hätte ich mir nie und nimmer antun wollen. Mein Rucksack sollte so klein wie möglich ausfallen und tat es dann doch nicht, als Hängematte, Schlafsack und Isomatte darin verstaut waren, die ich für die Nächte im Wald mit hatte.    Immerhin verzichtete ich auf Nahrung, was die Herausforderung anhob, nicht aber das zu tragende Gewicht.

   Der Glasbläserhof in Todtnau-Aftersteg ist nicht mehr in Betrieb, steht zum Verkauf und man kann nur hoffen, dass sich ein junger Glasbläser findet, der ihn zu neuem Leben erweckt. Ein idealer Ort direkt an der Straße zum Feldberg mit Parkplätzen und praktisch neben den Wasserfällen, die von vielen Touristen besucht werden.

   Etwas überrascht war ich, als ich schon auf den ersten Metern zur Kasse gebeten wurde. Der Besuch der Wasserfälle koste € 2.-, meinte die junge Dame. Ich befände mich auf dem Glasträgerweg, meinte ich. Vergünstigung gäbe es nur für Rentner…

   Immerhin hielt sie mich für keinen solchen. Meiner guten Laune konnte das keinen Abbruch tun und frohgemut und leutselig machte ich mich auf den Weg. Und der geht zünftig los. In der ersten 3/4h sind gleich mal 400 Höhenmeter zu schlucken und bis zum Feldberg kommen noch einmal 300 Hm dazu. Die Aussicht dann von hier Oben entschädigt für jede Strapaze.

   Die Broschüre, die ich eingangs erwähnte und die es im Moment nicht mehr käuflich zu erwerben gibt; gebraucht kostet sie ca.€ 60.-, half mir den Weg zu finden. Streckenweise sind darin genauste Beschreibungen zu finden, wo wie abgebogen werden soll, dann ist man wieder kilometerlang allein gelassen. Die Beschilderung müsste dringend erneuert werden. Kein großer Aufwand wie ich meine, aber unverzichtbar, wenn man Menschen auf diesen durchaus sehenswerten Weg schicken möchte.

   Hilfreich wäre ebenso, wenn der exakte Weg auf einer Karte 1 : 30’000 verzeichnet wäre. Das Büchlein schlägt verschiedenste Varianten vor. Diese mögen oft interessant unf begehenswert sein, allein sie verwirren ordentlich und machen ein hin- und herblättern nötig, das den Wanderfluss hemmt, zumal man gleichzeitig immer wieder auf der Karte nachsehen und vergleichen muss, herauszufinden, wo man sich im Moment grad befindet.

   Wo immer der Glasträgerweg dem Mittelweg oder Westweg folgt wird es entspannter, denn diese sind leicht zu finden, da gut markiert. Dennoch will ich jedem Wanderfreudigen diesen Weg wärmstens empfehlen. Landschaftlich ist er traumhaft schön und selbst dort, wo ich vom Weg abkam, habe ich es nicht bereut.

   Der brasilianische Photograph Stupakoff empfiehlt: "Beim Eintritt in den Wald, nimm den dunkelsten Pfad! Den schwierigsten, den, der keine Wegweiser hat! Mag sein, Du findest eine Perle"

   Wenn du willst kannst du dir eine Slide-Show anschauen mit Bildern von der reizvollen Natur die ich auf dem Glasträgerweg kennengelernt habe. Bleibt mir viel Vergnügen zu wünschen :-)
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